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Kategorie Schwerpunkt

Black Box Botanicals

Portraitaufnahme von Doktor Nadiya Bakhiya
Copyright N. Bakhiya: BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung // Orange: Vung, Ginkoblatt: clsdesign, Passionblume: Katecat / adobestock
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Dr. Nadiya Bakhiya beschäftigt sich am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) mit „Botanicals“ – pflanzlichen Inhaltsstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln. Die Biologin bewertet die potenziellen gesundheitlichen Risiken dieser pflanzlichen Präparate.

Frau Bakhiya, bei pflanzlichen Mitteln denken viele an „natürlich“ und bei „natürlich“ an „harmlos“ – zu Recht?

Das ist leider oft ein Trugschluss. In vielen Pflanzen stecken Stoffe, die für den Menschen gesundheitsgefährdend sein können, Stichwort Giftpflanzen.

Aber auch Pflanzen, die traditionell als Lebensmittel verzehrt werden, können Stoffe enthalten, die in isolierter und konzentrierter Form ein Gefährdungspotenzial besitzen.

Können Sie ein Beispiel nennen? 

Der Stoff Synephrin kommt natürlicherweise in Zitrusfrüchten vor. Über Orangen oder Mandarinen kann man kaum so viel Synephrin aufnehmen, dass es gesundheitlich problematisch wird. In Nahrungsergänzungsmitteln sind die Dosen aber teils so hoch, dass sie das Herz-Kreislauf- System beeinträchtigen und zum Beispiel Herzrhythmusstörungen verursachen können. Für die Wirkung ist auch entscheidend, in welcher Form ein Stoff aufgenommen wird – ob als isolierter Extrakt oder gebunden in einem Lebensmittel.

Oft basieren Botanicals auf Pflanzen, die traditionell als Heilpflanzen genutzt werden, teils als pflanzliche Arzneimittel behördlich zugelassen sind. Garantiert das nicht eine gewisse Sicherheit? 

Pflanzliche Arzneimittel werden anders als pflanzenbasierte Nahrungsergänzungsmittel reguliert. Das ist wichtig zu wissen. Für die Herstellung und das Inverkehrbringen von „Medizin“ gelten strikte Qualitätsstandards. So muss beispielsweise genau nachvollziehbar sein, aus welchem Pflanzenteil ein Stoff gewonnen und wie er extrahiert wurde, welche Reinheit er besitzt und so weiter.

Und wie ist das bei Nahrungsergänzungsmitteln?

Da gibt es nichts Vergleichbares. Die darin enthaltenen Stoffe können aus unterschiedlichen Pflanzenteilen stammen. Teils werden isolierte Extrakte, teils getrocknete pulverisierte Pflanzenteile zugesetzt. All diese Faktoren können einen Einfluss darauf haben, wie die Inhaltsstoffe aufgenommen und verstoffwechselt werden, und damit auch, wie ein Botanical wirkt. Wirksamkeit und Sicherheit der Präparate müssen übrigens nicht wissenschaftlich belegt sein. Und noch etwas anderes kommt hinzu.

Und zwar? 

Arzneimittel werden in der Regel eingenommen, wenn ein gesundheitliches Problem vorliegt, Nahrungsergänzungsmittel hingegen oft vorbeugend über lange Zeit. Gerade über die gesundheitlichen Folgen einer Langzeiteinnahme ist aber oft nichts bekannt. Das gilt auch für Stoffe, die in der traditionellen Medizin wie der ayurvedischen schon lange genutzt werden und die oft als unbedenklich wahrgenommen werden.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher denn tun?

Werbeaussagen immer kritisch hinterfragen, vor allem bei Produkten aus dem Online-Handel. Botanicals sind für gesunde Menschen in der Regel unnötig. Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, nimmt über Obst, Gemüse, Kräuter und Gewürze ausreichend sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe zu sich, was sich erwiesenermaßen positiv auf die Gesundheit auswirkt. Wer unbedingt ein Botanical einnehmen möchte, sollte es bei einem seriösen Anbieter kaufen und das Präparat nicht unnötig lange zu sich nehmen. Besonders aufpassen sollten Menschen, die Medikamente einnehmen, denn es kann zu Wechselwirkungen kommen. Behandelnde Ärztinnen und Ärzte sollten über die Einnahme Bescheid wissen.

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