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Kategorie Lebensmittel

Lebensmittelsicherheit im (Klima)Wandel

Melone in der Sonne
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Die globale Erwärmung mit all ihren Folgen bedroht Umwelt, Tiere, Pflanzen – und die Gesundheit des Menschen, indem sich das Risiko für lebensmittelbedingte Erkrankungen erhöht. Ein Überblick.

Hitzewellen, Brände, Starkregen, Überschwemmungen, das Ansteigen des Meeresspiegels – der Klimawandel bringt Folgen für Natur und Gesellschaft, die kaum zu übersehen sind.

Doch er wirkt auch im Kleinen: Mikroorganismen wie Bakterien und Parasiten und Toxine (Giftstoffe) und ihr Vorkommen in Lebensmitteln werden durch Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit beeinflusst. 

Sie können Menschen ernsthaft gesundheitlich schaden.

Wohlfühl-Wärme für Krankheitserreger

Bei höheren Außentemperaturen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Nutztiere mit bestimmten Zoonose- Erregern besiedelt werden, also krankmachenden Keimen, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden. Der Grund: Die Keime überleben besser in der Umwelt und Insekten und Nagetiere übertragen sie leichter. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass sich Krankheitserreger in leicht verderblichen Lebensmitteln schneller vermehren – insbesondere, wenn diese im Freien, wie beim Grillen oder Picknick, oder in warmen Küchen (durch höhere Raumtemperaturen) ungekühlt gelagert werden. So werden in Deutschland die meisten lebensmittelbedingten Erkrankungen des Menschen durch die Bakterien Salmonellen und Campylobacter in den Sommermonaten gemeldet. Sie gehen häufig mit Durchfall und Bauchschmerzen einher.

Mit Blick auf Parasiten können insbesondere Infektionen mit einzelligen Parasiten – Protozoen – durch den Klimawandel begünstigt werden. Sie sind ohnehin sehr stabil gegenüber Umwelteinflüssen. Vertreter sind beispielsweise Kryptosporidien und Giardien. Infektionen sind meist symptomfrei oder äußern sich mit Magen-Darm-Erkrankungen. 

Bei Menschen, deren körpereigene Abwehrkräfte beeinträchtigt oder noch nicht ausgebildet sind, können Infektionen mit Bakterien und Parasiten schwer mit teils tödlichem Ausgang verlaufen. Durch einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln während Transport, Lagerung und Zubereitung in der Küche lassen sich Infektionen meist vermeiden (siehe Mehr erfahren). 

Wie sich Infektionserreger an veränderte klimatische Bedingungen anpassen, erforscht auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung). In einem Langzeitprojekt wird beispielsweise das Vorkommen verschiedener Erreger im Zusammenhang mit Umwelteinflüssen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und geografischer Lage untersucht.

Verderben nicht nur den Appetit: Vibrionen

Auch höhere Wassertemperaturen begünstigen das Wachstum bestimmter Erreger – zum Beispiel von Vibrionen. Die Bakterien reichern sich in Meeresfrüchten wie Muscheln und Garnelen an und vermehren sich in warmem Wasser (>18 °Ckurz fürGrad Celsius) besonders gut. 

Werden mit Vibrionen belastete Lebensmittel roh oder nicht ausreichend erhitzt gegessen, können leichte bis schwere Magen-Darm-Infektionen die Folge sein. 

Für immungeschwächte Personen kann zudem der direkte Kontakt mit Wasser, zum Beispiel beim Baden, ein Risiko darstellen. Nämlich dann, wenn sie sich über kleine unbemerkte Wunden mit den Bakterien infizieren. Möglich sind Blutvergiftungen mit Todesfolge.

Meeresboden

Vibrionen mögen höhere Wassertemperaturen. Sie reichern sich in Meeresfrüchten an und können zu Magen-Darm-Infektionen führen.

Copyright Saketh/unsplash

Giftig zu Wasser und zu Land

Der Klimawandel beeinflusst auch das Vorkommen und die geografische Verteilung von Toxinen. Dazu zählen marine Biotoxine – giftige Stoffe, die von einigen Algenspezies produziert werden. Werden solche Algen von Muscheln oder Fischen als Nahrungsquelle genutzt, reichern sich die Toxine in deren Gewebe an – was wiederum beim Menschen nach Verzehr verschiedene Erkrankungen hervorrufen kann. Die Symptome variieren von Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen über Amnesie und neurologische Störungen bis zu in seltenen Fällen tödlich verlaufenden Lähmungen. Durch einen Anstieg der Wassertemperaturen können sich toxinproduzierende Warmwasser- Algen zum Beispiel in Richtung der Pole ausbreiten und in Gegenden auftreten, in denen sie bisher nicht heimisch waren.

Ein weiteres Beispiel sind Schimmelpilze und von ihnen produzierte Toxine, sogenannte Mykotoxine. Der Klimawandel kann Auswirkungen auf das Vorkommen von Schimmelpilzen und damit verbunden auf die geografische Verteilung und Häufigkeit von Mykotoxinen haben. Sie können in pflanzlichen Lebensmitteln wie ölhaltigen Samen, Nüssen, Getreide, Obst und Gemüse, aber auch in tierischen Lebensmitteln wie Milchprodukten vorkommen und bereits in geringen Mengen gesundheitsschädlich sein. Die Wirkung ist abhängig vom jeweiligen Toxin, der Aufnahmedauer (akut oder chronisch) und -menge sowie dem individuellen Gesundheitszustand der betroffenen Person.

Die Europäische Kommission hat sowohl Grenzwerte für marine Biotoxine als auch Höchstgehalte für bestimmte Mykotoxine in vielen Lebensmitteln festgelegt.  

Highlights der aktuellen Ausgabe

  • Gabel mit Bratwurst
    Copyright Matt/adobestock

    Gesünder Grillen

    Es geht nicht nur um die Wurst – Krankheitserreger und gesundheitsschädliche Stoffe können die Freude an der geselligen Schlemmerei trüben. Worauf kommt es
    beim Grillen an?

  • diverse Periodenprodukte
    Copyright Blut: Amir, Binde/Tasse: Morena @adobestock

    (K)Ein Grund, rot zu sehen

    Metalle, Pestizide, Biozide: Immer wieder kursieren Nachrichten über gesundheitsschädliche Stoffe in Periodenprodukten. Welche Risiken können von Tampons und Co. ausgehen?

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