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Kategorie Interview

"Kommunikation vom Ende her denken"

Portrait einer Frau
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Wenn viele Stimmen gleichzeitig reden: Kommunikationsexpertin Professorin Dr. Eva Baumann zeigt, wie Risikokommunikation Orientierung gibt – trotz Informationsflut.

Professorin Dr. Eva Baumann ist Kommunikationswissenschaftlerin am Hanover Center for Health Communication der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Sie forscht zu Gesundheits- und Risikokommunikation und ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung).

Wenn viele Stimmen gleichzeitig reden: Kommunikationsexpertin Professorin Dr. Eva Baumann zeigt, wie Risikokommunikation Orientierung gibt – trotz Informationsflut.

Frau Baumann, was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung, wenn Institutionen wie das BfR oder auch Medien über ein Gesundheitsthema und gesundheitliche Risiken informieren wollen?

Die größte Herausforderung ist, dass wir mit einem Text oder einer Botschaft niemals alle Menschen gleichzeitig erreichen können. Die Menschen sind zu unterschiedlich: in unterschiedlichen Lebenslagen, in unterschiedlichen Lebensabschnitten, an unterschiedlichen Orten, und sie leben ihr Leben auf unterschiedliche Weise.

Hinzu kommt: Zu vielen Themen kommunizieren ja sehr unterschiedliche Akteure gleichzeitig. Was bedeutet das für die Risikokommunikation? 

Das macht es schwieriger. Denn jeder dieser Akteure hat unterschiedliche Interessen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind primär an der wissenschaftlichen Erkenntnislage interessiert. Umwelt- und Verbraucherorganisationen wollen Verbraucherinnen und Verbraucher vor zu hohen Risiken schützen. Politische Akteure sind daran interessiert, ein gutes, gesellschaftlich funktionierendes Regelsystem aufzubauen und durchzusetzen. Und Industrie und Unternehmen haben schließlich wirtschaftliche Interessen. Alle versuchen, mit ihren Botschaften und ihrer Sicht auf ein Thema bei ihren Zielgruppen anzukommen.

Und wie können Menschen dann überhaupt erreicht werden?

Wir müssen überlegen: Wen will ich erreichen, wen muss ich mit einer bestimmten Risikoinformation erreichen? Welche Medien nutzen diese Personengruppen? Wem vertrauen sie? Wenn ich Kinder als Zielgruppe habe, dann sollte ich mir natürlich darüber Gedanken machen, wie ich auch Eltern gut ansprechen kann. Vielleicht sollte ich mit einer Influencerin, einem Influencer zusammenarbeiten, die dieses Thema in ihre Kommunikation integrieren. Denn dadurch steigt die Chance, dass ich meine Zielgruppe, die vielleicht grundsätzlich gar kein Interesse an dem Thema hat, überhaupt erreichen kann.

Also mit den Botschaften dorthin gehen, wo die Leute sich ohnehin schon informieren?

Genauso ist es. Vom anderen Ende her denken: von denjenigen ausgehend, die ich erreichen möchte. Das Entscheidende ist gar nicht nur das Erstellen und Bereitstellen einer Information, sondern auch der Weg zu den Menschen.

Das heißt, der „klassische“ Weg, einen netten Infotext zu erstellen, vielleicht als Broschüre zu drucken und zu warten, dass die Leute diese abrufen, ist überholt?

Genau. Das kostet oft viel Geld, bringt aber oft wenig.

Besteht nicht die Gefahr, bei so viel Zielgruppenorientierung am Ende doch zu sehr zu vereinfachen?

Das ist immer ein Balanceakt. Aber es ist besser, wenigstens eine kleine, wichtige Botschaft rüberzubringen, als niemanden zu erreichen. Bei der Vereinfachung, beispielsweise für einen Wissenschaftscomic, konzentriert man sich ja auf den Kern eines Themas, einer Botschaft. Und die Vereinfachung wird bewusst vorgenommen von Menschen, die den größeren Hintergrund eines Themas kennen. Formate wie Comics oder auch Social-Media-Posts sind Brücken, um Kontakt mit einem Thema herzustellen, um Neugier zu wecken. Das erhöht die Motivation, sich dann eingehender mit dem Thema zu beschäftigen. ―

Der BfR-Podcast

Cover Podcast
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  • Episode: Risikokommunikation

    Das Internet ist voll mit Informationen zu gesundheitlichen Themen und angeblichen und tatsächlichen Risiken. Für Behörden und Medien, die seriös und auf Basis der wissenschaftlichen Fakten über solche Themen aufklären wollen, ist das eine besondere Herausforderung. Im BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Wissenschafts-Podcast „Risiko – Über Gift, Gefahr und Gesundheit“ spricht Kommunikationsexpertin Professorin Dr. Eva Baumann ausführlich darüber, wie die sogenannte Risikokommunikation funktioniert und worauf es dabei ankommt.

    Externer Link:Zum Podcast “Risikokommunikation: Vom Ende her denken”

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