
Herr Bruinen de Bruin, „Vergiftungen“ klingen in unserer Gesellschaft wie aus der Zeit gefallen. Wen betreffen sie?
Auf den ersten Blick scheinen Vergiftungen ein Relikt vergangener Zeiten zu sein, doch jedes Jahr bearbeiten die Giftinformationszentren (GIZ) bis zu 300.000 Anfragen. Viele Anrufe kommen von Eltern, deren Kinder Reinigungsmittel oder Medikamente verschluckt haben. Parallel dazu erhält das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) über 8.000 Meldungen pro Jahr, unter anderem über Arbeitsunfälle. Vergiftungen betreffen also jede Gesellschaftsgruppe.
Welches Ziel verfolgt das Deutsche Vergiftungsregister?
Das Deutsche Vergiftungsregister (DVR) ist eine zentrale Plattform für Beratungsfälle der GIZ sowie Meldungen von Ärztinnen und Ärzten sowie Berufsgenossenschaften. Zum ersten Mal wird es einen Überblick über das Vergiftungsgeschehen in Deutschland geben, der eine gezielte Prävention und bessere Informationen für Öffentlichkeit und Fachkreise ermöglicht. Als Frühwarnsystem kann es künftig helfen, Leben zu retten.
Warum gab es ein solches Register bisher nicht?
Bislang fehlte eine gesetzliche Grundlage. Die GIZ sammelten regional Vergiftungsdaten getrennt voneinander. Seit 2023 hat das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung die Aufgabe, die Daten zu harmonisieren und zu bündeln. Das DVR schließt die bestehenden Lücken.
Welche Daten werden gesammelt und was passiert mit ihnen?
Die GIZ erfassen bei jedem Anruf Kerndaten wie Alter, Geschlecht, auslösende Substanz und Schweregrad der Vergiftung. Diese Daten werden anonymisiert an das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung übermittelt und dort nach verschiedenen Parametern strukturiert ausgewertet. Wir monitoren die Daten so, dass wir Auffälligkeiten frühzeitig erkennen. Darüber hinaus beantworten wir Anfragen und veröffentlichen Jahresberichte.
Wie kann das DVR helfen, Vergiftungstrends frühzeitig zu erkennen?
Treten mit einer Produktgruppe, zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel oder Waschmittel, plötzlich ungewöhnlich schwere Vergiftungen auf oder werden mehr Anfragen gestellt als üblich, gibt das System einen Hinweis, sodass rasch gehandelt werden kann.
Kommt es zu einem größeren Vorfall wie beispielsweise einem Brand in einer Chemiefabrik mit zahlreichen Vergiftungsmeldungen, leitet das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung diese Informationen umgehend an die zuständigen Bundes- und Länderbehörden weiter. So wird aus Beratung Erkenntnis, aus Erkenntnis Prävention und aus Prävention Sicherheit.



