In Ihrem Podcast geht es oft um fragwürdige Nahrungsergänzungsmittel, um seltsame Produkte mit fantastisch klingenden Fähigkeiten – oder auch um angeblich sanfte, „alternative“ Heilmethoden. Wo fängt da für Sie der „wissenschaftliche Unsinn“ an?
Jonathan Focke: Da gibt es sehr, sehr viele Facetten. Das fängt bei Scharlatanen und Herstellern von Wundermitteln an und geht bis hin zu Politikern, die den Klimawandel verharmlosen wollen.
Maximilian Doeckel: Kernelement ist immer, dass jemand behauptet, es sei etwas wissenschaftlich belegt, es gäbe Studien. Da schauen wir genauer hin – und stellen oft fest: Nein, da ist nichts belegt.
Wie gehen Sie denn vor, um den Quatsch zu entlarven?
Doeckel: Vor allem lesen wir die angepriesenen wissenschaftlichen Studien sehr genau. Schon in der Kurzzusammenfassung, dem Abstract am Anfang, können wir sehen, ob die Ergebnisse überhaupt halbwegs zu dem passen, was da behauptet wird.
Focke: Manchmal werden tatsächlich Studien zitiert, die ein völlig anderes Thema haben. Das ist besonders krass. Generell schauen wir uns immer die benutzten Methoden an: Wie viele Teilnehmer hatte die Studie? Gab es eine Kontrollgruppe? Häufig werden auch einfach Tierstudien zitiert, beispielsweise an Mäusen oder Ratten, bei denen ein kleiner Effekt gefunden wurde. Und dann heißt es oft: „Wow, guck dir das mal an! Diese Wirkung, das wird doch bei Menschen auch so sein.“ Aber das ist falsch. In den allermeisten Fällen kann man die Ergebnisse aus Tierversuchen eben nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.
Warum geht das nicht?
Focke: Tierversuche sind wichtig, gerade wenn es um riskante Stoffe oder Medikamente geht. Da sagt niemand: Das testen wir jetzt mal direkt beim Menschen. Nur ist am Ende eine Maus oder eine Ratte kein Mensch. Deshalb kann man das nicht einfach eins zu eins übertragen. Dafür ist der Organismus einfach zu verschieden. Man kann also nicht sagen: Wenn ein Stoff bei der Ratte so wirkt, dann ist es beim Menschen auch so.
Gestartet sind die „Quarks Science Cops“ Ende 2020, während Corona. In den ersten Folgen ging es daher häufig um die Pandemie und das Virus. Gibt es aus dieser Anfangsphase Dinge, die Sie heute noch fassungslos machen?
Doeckel: Vor allen Dingen die Wut und der Hass, die uns damals entgegengeschlagen sind. Weil wir gesagt haben: Corona ist wirklich ein Problem und es ist gefährlich. In den Kommentaren hieß es: Ihr seid die Ersten, die aufgehängt werden, wenn sich hier der Wind dreht. Sogar unsere Familien wurden bedroht. Das hat uns damals sehr schockiert. Inzwischen ist das zum Glück etwas abgeklungen.
Das klingt bedrohlich. Es kann aber auch für Menschen gefährlich werden, die an wissenschaftlichen Unfug glauben, oder?
Focke: Das ist das Problem bei allen „alternativmedizinischen“ Therapien und Heilmitteln, die wir uns auch im Podcast anschauen. Homöopathische Mittel beispielsweise oder Schüssler-Salze. Viele dieser Therapien sind nicht gefährlich in dem Sinne, dass sie direkt schaden.