
Challenge für den Kreislauf
Die geschmackliche Herausforderung ist auch die Motivation bei der „Hot Chip Challenge“. Wirklich scharf auf den notärztlichen Besuch waren wohl die wenigsten, als sie einen kleinen, mit Capsaicin gewürzten Tortilla-Chip aßen und kurz darauf die körperlichen Folgen spürten. Dieser Snack erlangte vor einiger Zeit in vielen Ländern eine enorme Bekanntheit bei Kindern und Jugendlichen, verstärkt durch Clips in Sozialen Medien. Wissenschaftlich betrachtet lösen Capsaicin und seine artverwandten Stoffe beim Kontakt mit bestimmten Rezeptoren einen Hitze- und Schmerzreiz aus, der als Schärfe wahrgenommen wird. Die Toleranz dazu im Mund ist von Person zu Person unterschiedlich. Einmal aufgenommen kann der Pflanzeninhaltsstoff für ein brennendes Gefühl im (oberen) Magen-Darm-Trakt, Sodbrennen, Reflux bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Bauchund Brustraum sorgen. Bei hohen Aufnahmemengen können Kreislaufbeschwerden auftreten – kalter Schweiß bricht aus, der Blutdruck verändert sich, Schwindel tritt ein.

Scharf an der Grenze
Besonders empfindlich reagieren Kinder auf scharfe Chili-Produkte; die internationale Fachliteratur berichtet von schwerwiegenden Vergiftungsfällen und unerwünschten Wirkungen. Bei Aufnahmemengen von 0,5 bis 1 Milligramm (mgkurz fürMilligramm) sind milde, im Bereich von 170 mgkurz fürMilligramm ausgeprägte Beeinträchtigungen beschrieben. Genauer lässt sich das nicht angeben. Vor allem, weil die Wahrnehmung von „scharf“ individuell so verschieden ist und weil die Art des Gerichts beeinflusst, wie gut man die aufgenommene Capsaicin-Menge verträgt. So wirkt eine in normalem Tempo verzehrte Mahlzeit mit mehreren Bestandteilen oft weniger scharf als die gleiche Capsaicin- Menge in einem kleinen Tortillachip. Gesetzliche Höchstgehalte für Capsaicinoide in Lebensmitteln gibt es derzeit nicht.
Ein Tipp funktioniert aber stets: Capsaicinoide sind fettlöslich. Daher helfen zum „Löschen“ Milch oder fetthaltige Pflanzendrinks aus Soja oder Mandeln statt Wasser. Damit verschaffen sich auch die kapitulierenden Männer und Frauen beim Chili- Contest ein wenig Erleichterung – und die müssen’s ja wissen.



