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Kategorie Lebensmittel

Brennender Ehrgeiz

Chili-Produkte
Copyright Feuer: アツシ ナカムラ ,Chips: Yeti Studio, Grüne Chili: Dattenfeld, Rote Chili: Tim UR @adobestock
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Scharfe Pflanzenstoffe halten andere Lebewesen eigentlich fern. Doch manche – wie der Mensch – setzen sich scharfen „Chili“-Inhaltsstoffen ganz bewusst aus.

Immer schärfer. Runde für Runde. Unter Applaus. Das ist das Prinzip der Scharfessenwettbewerbe – der „Chili-Contests“, bei denen die Teilnehmenden ihre Geschmacks-, nein eigentlich Schmerzgrenzen strapazieren. Und während nach und nach mehr von ihnen aufgeben, versuchen die Hartnäckigsten, das Event zunehmend keuchend, schwitzend und grimassierend durchzustehen. Und all das, um den nächsten Scoville-Rekord zu knacken.

Der Pharmakologe Wilbur L. Scoville entwickelte im Jahr 1912 die international bis heute bekannte und vielzitierte Maßeinheit für Schärfe, die auf den Gehalt des enthaltenen Capsaicins schließen lässt. Chilipflanzen bilden diese scharfe Substanz. Auch anderen Paprika-Arten dienen diese Capsaicinoide, die zur Gruppe der Alkaloide zählen, zur Abwehr von Fraßfeinden.

Challenge für den Kreislauf

Die geschmackliche Herausforderung ist auch die Motivation bei der „Hot Chip Challenge“. Wirklich scharf auf den notärztlichen Besuch waren wohl die wenigsten, als sie einen kleinen, mit Capsaicin gewürzten Tortilla-Chip aßen und kurz darauf die körperlichen Folgen spürten. Dieser Snack erlangte vor einiger Zeit in vielen Ländern eine enorme Bekanntheit bei Kindern und Jugendlichen, verstärkt durch Clips in Sozialen Medien. Wissenschaftlich betrachtet lösen Capsaicin und seine artverwandten Stoffe beim Kontakt mit bestimmten Rezeptoren einen Hitze- und Schmerzreiz aus, der als Schärfe wahrgenommen wird. Die Toleranz dazu im Mund ist von Person zu Person unterschiedlich. Einmal aufgenommen kann der Pflanzeninhaltsstoff für ein brennendes Gefühl im (oberen) Magen-Darm-Trakt, Sodbrennen, Reflux bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Bauchund Brustraum sorgen. Bei hohen Aufnahmemengen können Kreislaufbeschwerden auftreten – kalter Schweiß bricht aus, der Blutdruck verändert sich, Schwindel tritt ein.

Abgebildet sind folgende Matrizen: Kapsel, Saucenflasche, Kapsel, Kapsel, Kapsel und Reis-Schüssel, Reis-Schüssel, Kapsel, Chili-Schote
Akute Symptome je nach Schärfegrad und „Matrix“ (= Beschaffenheit des verzehrten Produkts); Orientierungswerte; Auswertung aktueller Studienlage, Copyright Studio GOOD

Scharf an der Grenze

Besonders empfindlich reagieren Kinder auf scharfe Chili-Produkte; die internationale Fachliteratur berichtet von schwerwiegenden Vergiftungsfällen und unerwünschten Wirkungen. Bei Aufnahmemengen von 0,5 bis 1 Milligramm (mgkurz fürMilligramm) sind milde, im Bereich von 170 mgkurz fürMilligramm ausgeprägte Beeinträchtigungen beschrieben. Genauer lässt sich das nicht angeben. Vor allem, weil die Wahrnehmung von „scharf“ individuell so verschieden ist und weil die Art des Gerichts beeinflusst, wie gut man die aufgenommene Capsaicin-Menge verträgt. So wirkt eine in normalem Tempo verzehrte Mahlzeit mit mehreren Bestandteilen oft weniger scharf als die gleiche Capsaicin- Menge in einem kleinen Tortillachip. Gesetzliche Höchstgehalte für Capsaicinoide in Lebensmitteln gibt es derzeit nicht.

Ein Tipp funktioniert aber stets: Capsaicinoide sind fettlöslich. Daher helfen zum „Löschen“ Milch oder fetthaltige Pflanzendrinks aus Soja oder Mandeln statt Wasser. Damit verschaffen sich auch die kapitulierenden Männer und Frauen beim Chili- Contest ein wenig Erleichterung – und die müssen’s ja wissen.

Highlights der aktuellen Ausgabe

  • Melone in der Sonne
    Copyright Scott Webb/unsplash

    Lebensmittelsicherheit im (Klima)Wandel

    Die globale Erwärmung mit all ihren Folgen bedroht Umwelt, Tiere, Pflanzen – und die Gesundheit des Menschen, indem sich das Risiko für lebensmittelbedingte Erkrankungen erhöht. Ein Überblick.

  • diverse Periodenprodukte
    Copyright Blut: Amir, Binde/Tasse: Morena @adobestock

    (K)Ein Grund, rot zu sehen

    Metalle, Pestizide, Biozide: Immer wieder kursieren Nachrichten über gesundheitsschädliche Stoffe in Periodenprodukten. Welche Risiken können von Tampons und Co. ausgehen?

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