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In die Flasche geschaut

Person, die durch die Öffnung einer Plastikflasche schaut
Copyright Ekaterina Demidova / gettyimages
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Können den Appetit verderben: Meldungen zu Mikroplastik, Weichmachern und Co. in Getränken aus PET-Flaschen. Wie steht es um die gesundheitlichen Risiken des Kunststoffs?

Zu erkennen am dreieckigen Pfeilsymbol mit der Ziffer 1 wird PET, kurz für Polyethylenterephthalat, vor allem für Getränkeflaschen, aber auch für andere Lebensmittelverpackungen verwendet. 

Ob in den Flaschen doch mehr steckt als nur der Durstlöscher der Wahl – nämlich gesundheitsschädliche Stoffe, die aus dem Material ins Getränk übergehen – ist immer wieder Thema in der Öffentlichkeit.

Flüssige Hormone

Der Verdacht, dass PET-Flaschen hormonähnliche Stoffe an das Getränk abgeben könnten, scheint auf den ersten Blick nicht unbegründet: In einigen Studien wurde tatsächlich eine geringe östrogene Aktivität in Mineralwässern aus PET-Flaschen nachgewiesen. Allerdings war diese etwa 10.000-mal schwächer als die natürliche hormonähnliche Wirkung in Getränken wie Milch, Bier oder Rotwein. Interessant: „Ein Vergleich von Mineralwässern aus PET- und Glasflaschen zeigte keinen Unterschied in der gemessenen östrogenen Aktivität. Daher ist nicht davon auszugehen, dass diese auf die PET-Flaschen zurückzuführen ist“, sagt Dr. Thomas Tietz, der sich am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) mit der Sicherheit von Lebensmittelkontaktmaterialien beschäftigt.

Weichmacher oder BPA in PET?

Icon PET-Flasche und PET-Becher
Copyright BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung

Beim Thema Kunststoffe liegt der Gedanke an Phthalate und andere Weichmacher nah. Manche von ihnen wirken ebenfalls hormonähnlich. Sie werden aber bei der Herstellung von PET-Flaschen nicht eingesetzt. Geringe Spuren der Substanzen könnten zwar beispielsweise durch das Recycling als Verunreinigungen oder über Deckeldichtungen eingetragen werden. In den untersuchten Mineralwässern wurden sie jedoch entweder gar nicht oder nur in so geringen Konzentrationen nachgewiesen, dass sie die gemessene östrogene Aktivität nicht erklären können.

Wo PET ist, ist BPA nicht fern? Die Substanz Bisphenol A (kurz: BPA) kann in Trinkbechern, Plastikgeschirr oder der Innenbeschichtung von Konserven enthalten sein. Sie wird mit verschiedenen gesundheitsschädigenden Effekten in Verbindung gebracht. Auch BPA wird nicht für die Produktion von PET verwendet, wurde aber in einigen recycelten PET-Flaschen nachgewiesen. „Die Mengen lagen jedoch weit unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten und stellen somit nach aktuellem Stand des Wissens kein Gesundheitsrisiko dar“, so Tietz.

Kleine Partikel, kleine Wirkung?

Mikroplastik in Lebensmitteln beunruhigt 84 % der Verbraucherinnen und Verbraucher. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung aus 2024. Mehrere Studien konnten bei der Untersuchung von Mineralwässern Kunststoffpartikel nachweisen, vor allem in Mehrwegflaschen. Wasser aus Glasmehrwegflaschen wies allerdings ähnliche Gehalte auf wie Wasser aus PET-Mehrwegflaschen, was auf eine Kontamination beim Reinigungsprozess oder bei der Wiederbefüllung hinweist – zum Beispiel durch die Ablösung der Etiketten. Der Abrieb des Deckels oder das Altern des Materials bei Mehrwegflaschen könnten ebenfalls eine Quelle sein. Nach derzeitigem Wissensstand ist es unwahrscheinlich, dass von Mikroplastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken ausgehen.

Tipps

  • Hygienischer Umgang mit Flaschengetränken

    — Bereits geöffnete Flaschen verschlossen und gekühlt aufbewahren.
    — Direktes Trinken aus der Flasche vermeiden bzw. nicht mit anderen teilen.
    — Möglichst unmittelbar nach dem Öffnen der Flasche trinken – vor allem, wenn direkt aus der Flasche getrunken wird.
    — Frischetipp: Auf die Mindesthaltbarkeit für Wasser in PET-Flaschen achten (Kohlensäure kann aus PET-Flaschen leichter entweichen als aus Glasflaschen).

Süßer Beigeschmack

Und wenn das Wasser seltsam schmeckt? Wer Mineralwasser aus PET-Flaschen trinkt, hat vielleicht schon einmal einen süßlich-fruchtigen Geschmack wahrgenommen – verursacht durch Acetaldehyd. Schon sehr kleine Mengen davon kann man schmecken oder riechen. „Der Stoff entsteht bei der Herstellung von PET und kann durch technische Mängel in das Wasser übergehen. In geringen Mengen ist ein gesundheitliches Risiko jedoch nicht zu erwarten“, erklärt Tietz. PET-Flaschen dürfen nur sehr wenig Acetaldehyd abgeben, da eine geschmackliche Beeinträchtigung des Wassers rechtlich nicht zulässig ist.

Zusammengefasst: Weder hormonähnliche Substanzen noch Weichmacher, BPA oder Mikroplastik sind in Mengen in PET-Flaschen enthalten, die negative Effekte für die Gesundheit bedeuten. Das gilt auch für den bisweilen auftretenden süßlich-fruchtigen Geschmack von Mineralwasser aus PET-Flaschen, der durch Acetaldehyd verursacht wird. Verbraucherinnen und Verbraucher können also beruhigt zur Flasche greifen.

Highlights der aktuellen Ausgabe

  • Melone in der Sonne
    Copyright Scott Webb/unsplash

    Lebensmittelsicherheit im (Klima)Wandel

    Die globale Erwärmung mit all ihren Folgen bedroht Umwelt, Tiere, Pflanzen – und die Gesundheit des Menschen, indem sich das Risiko für lebensmittelbedingte Erkrankungen erhöht. Ein Überblick.

  • diverse Periodenprodukte
    Copyright Blut: Amir, Binde/Tasse: Morena @adobestock

    (K)Ein Grund, rot zu sehen

    Metalle, Pestizide, Biozide: Immer wieder kursieren Nachrichten über gesundheitsschädliche Stoffe in Periodenprodukten. Welche Risiken können von Tampons und Co. ausgehen?

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