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"Sonnencreme nicht an erster Stelle"

Portrait Dr. Inge Paulini
Copyright Bildkraftwerk/Holger Kohl/BfS
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UV-Strahlung kann Hautkrebs verursachen. Dass Sonnenmilch schützt, aber andere Maßnahmen wichtiger sind, erklärt die Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz Dr. Inge Paulini.

Frau Paulini, die Zahl der Neuerkrankungen bei durch UV-Strahlung verursachtem Hautkrebs ist in den vergangenen 30 Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2023 sind in Deutschland rund 4.500 Menschen an Hautkrebs gestorben. Dabei hatten wir Sonne und UV-Strahlung doch eigentlich schon immer. Was hat sich verändert?

Das Klima. Wir wissen, dass sich bei uns dadurch unter anderem die Bewölkung ändert. Damit steigt die Anzahl der Sonnenschein-Stunden pro Jahr, die Anzahl an sonnenreichen Jahren und dadurch die UV-Strahlung.

Wie hängt das zusammen?

Die UV-Strahlung wird durch Wolken teilweise abgehalten oder gestreut. Bei dicht bewölktem Himmel kommt davon weniger bei uns an. Durch den Klimawandel haben wir aber immer häufiger Tage mit viel Sonnenschein und wenig Wolken. Auch unser Verhalten hat sich verändert. Bei sonnigem Wetter tendieren viele Menschen dazu, mehr Zeit draußen zu verbringen. Sie sind damit der UV-Strahlung stärker ausgesetzt. Dadurch steigt das Hautkrebsrisiko.

Ab wann im Jahr sollte ich verstärkt auf den Sonnenschutz achten? 

Das kann man gar nicht nur an der Jahreszeit festmachen – sondern besser am UV-Index. Der wird in vielen Wetter-Apps angegeben und ist eine weltweit einheitliche Skala, die die UVStärke anzeigt. Sie beginnt bei 1, ist nach oben offen. Schon ab Stufe 3 sollten wir unsere Haut und Augen schützen. Das ist ein freundlicher Frühlingstag, ein bisschen Sonne. Das reicht, um die Haut zu schädigen. Auch im Januar, beispielsweise im Hochgebirge beim Skifahren, sollte ich auf den UV-Schutz achten.

Wie schütze ich meine Haut denn am besten? Immer ordentlich mit Sonnenschutzmittel eincremen – am besten mit Lichtschutzfaktor 50? 

Eincremen ist erst der letzte Schritt. Das allerwichtigste ist, direkte Sonnenstrahlung möglichst zu vermeiden. Je intensiver die Sonne, desto stärker sollte man sie meiden. Wenn es Schatten gibt, dorthin gehen. Der zweite Schritt ist, die Haut zu bedecken: lange Ärmel, lange Hosenbeine, Hut, Sonnenbrille. Und erst als drittes kommt dann die Sonnencreme.

Und worauf sollte ich dann achten, wenn ich eben doch bei starkem Sonnenschein nach draußen gehe und mich eincremen möchte? 

Bei Sonnenschutzmitteln gilt: Je höher der Lichtschutzfaktor, desto besser sind wir geschützt. Wichtig dabei ist, sich ausreichend dick einzucremen und nachzucremen.

Sonst funktioniert der UV-Schutz nur eingeschränkt. Wer ins Wasser geht, sollte danach sofort nachcremen. Ich würde sagen: Lieber öfter und dicker eincremen als zu wenig.

Das klingt, als sollten wir das Sonnenbaden am besten ganz lassen?

 Wenn Sonnenbaden, dann nur sehr dosiert und möglichst nicht in den intensiven Sonnenstunden um die Mittagszeit. Menschen legen sich ja häufig in die Sonne, um sich zu bräunen. Aber die Bräune ist ein Schutzmechanismus der Hautzellen, damit die UV-Strahlung sie nicht weiter schädigt. Bräunung ist deshalb eigentlich schon ein Schaden, eine Abwehrreaktion der Haut. Sonnenbräune ist kein Zeichen für Gesundheit.

Bringt es etwas, vor dem Sommerurlaub noch ins Solarium zu gehen, um die Haut vorzutrainieren? 

Nein, damit erhöht man nur unnötig das Hautkrebsrisiko. Die UV-Strahlung im Solarium ist in der Regel so stark wie die Sonne am Äquator – zur Mittagszeit bei höchstem Sonnenstand. Viel intensiver geht es kaum.

BfR-Umfrage UV-Filter in Sonnenschutzmitteln

Sonnencreme Icon
Copyright BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung
  • 81 %

    der Befragten haben von UV-Filtern in Sonnenschutzmitteln als Gesundheitsthema gehört.

  • 54 %

    fühlen sich zu diesem Thema nicht gut informiert.

  • 18 %

    sind (sehr) beunruhigt. 
    42 % sind (gar) nicht beunruhigt

Online-Befragung des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung von 1.001 Personen in Deutschland im Zeitraum 05.–14. August 2024

Highlights der aktuellen Ausgabe

  • Melone in der Sonne
    Copyright Scott Webb/unsplash

    Lebensmittelsicherheit im (Klima)Wandel

    Die globale Erwärmung mit all ihren Folgen bedroht Umwelt, Tiere, Pflanzen – und die Gesundheit des Menschen, indem sich das Risiko für lebensmittelbedingte Erkrankungen erhöht. Ein Überblick.

  • diverse Periodenprodukte
    Copyright Blut: Amir, Binde/Tasse: Morena @adobestock

    (K)Ein Grund, rot zu sehen

    Metalle, Pestizide, Biozide: Immer wieder kursieren Nachrichten über gesundheitsschädliche Stoffe in Periodenprodukten. Welche Risiken können von Tampons und Co. ausgehen?

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