
Herr Pieper, als gesundheitliches Risiko sind PFAS derzeit stark in der Diskussion. Spielen denn mit PFAS verunreinigte Futtermittel für den Menschen eine Rolle?
Der Mensch nimmt PFAS zu einem wesentlichen Teil über tierische Lebensmittel auf, etwa Fisch, Fleisch, Milch und Eier. Dabei können natürlich Futtermittel und Tränkwasser eine Rolle spielen. Zudem können PFAS im Boden enthalten sein, den die Tiere beim Fressen in geringen Mengen mit aufnehmen. Um den Weg der PFAS über Futter, Tränkwasser und Boden ins Lebensmittel nachvollziehen zu können, machen wir am BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Transferstudien. Damit sollen Wissenslücken geschlossen werden. Gemeinsam mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie den Ländern haben wir zudem erstmalig in Europa ein Futtermittelmonitoring durchgeführt, um ein Bild von der „Hintergrundkontamination“ zu bekommen.
Was genau sind Transferstudien?
Das sind Fütterungsstudien mit Nutztieren, die wir sowohl mit anderen nationalen und internationalen Einrichtungen durchführen als auch auf dem BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Versuchsgut in Berlin-Marienfelde. Dabei bekommen die Tiere mit dem Futter PFAS zu fressen. Das können kontaminierte Futtermittel aus belasteten Gebieten oder aber künstlich mit PFAS verunreinigte Futtermittel sein. Dann messen wir, was über einen Zeitraum in Eiern, Fleisch oder Milch ankommt, also wie hoch der Transfer ist. Zum Beispiel haben wir mit einem „natürlich“ kontaminierten Hühnerfutter untersucht, wie viel an PFAS in die Eier übergeht. Es hat sich gezeigt, dass PFAS-Verbindungen aus dem Futter in unterschiedlichem Maße in Leber, Muskel oder Eier übertreten. Jede der verschiedenen PFAS verhält sich anders, und der Transfer ist je nach Tierart und Lebensmittel unterschiedlich groß. Das macht die Sache hochkomplex.
In der EU gelten für vier PFAS-Verbindungen Höchstgehalte in ausgewählten tierischen Lebensmitteln. Gibt es ähnliche Bestrebungen für Futtermittel?
Futtermittel sind ein Schlüssel, um PFAS-Höchstgehalte in tierischen Lebensmitteln einzuhalten. Es braucht jedoch eine solide Datenbasis über PFAS-Hintergrundkontamination in Futtermitteln, ehe entsprechende Regelungen eingeführt werden können. Unsere Transferstudien können dabei hilfreich sein, und unsere Veröffentlichungen zum PFAS-Transfer aus Futtermitteln finden europaweit große Beachtung. Man kann relativ einfach zurückrechnen, welche PFAS-Gehalte in Futtermitteln nicht überschritten werden sollten, damit die Höchstgehalte eingehalten werden. Ein Tool, das wir dazu entwickelt haben, ist die „ConTrans“-Software.
Was hat es mit „ConTrans“ auf sich?
Externer Link:„ConTrans“ ist ein öffentlich zugängliches Web-Tool, also eine Internet-Anwendung, mit welcher der Übergang von unerwünschten Stoffen wie PFAS vom Futtermittel in tierische Lebensmittel vorhergesagt werden kann und auch, ob Höchstgehalte überschritten werden. Das Programm ermöglicht auch die Einschätzung, wie hoch die Konzentration einer Substanz im Futtermittel höchstens sein darf, damit der Höchstgehalt im Lebensmittel eingehalten wird. Es hat sich als wichtiges Hilfsmittel für die Überwachungsbehörden der Bundesländer und für Managementbehörden weltweit erwiesen.
Was hat Ihr Futtermittelmonitoring für PFAS ergeben?
Ein wesentlicher Befund ist, dass der Gehalt an PFAS in Futtermitteln in den meisten Regionen sehr, sehr niedrig ist. Das ist natürlich für den gesundheitlichen Verbraucherschutz und die Futtermittelsicherheit eine gute Nachricht.
Vom Trog zum Teller

PFAS reichern sich in Böden, Gewässern und im Grundwasser an. Über die Nahrungskette gelangen sie damit vor allem in (tierische) Lebensmittel.



