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Gelungener Versuch

Mikroskopbild von Zellen
Copyright Chris Höfer/BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung
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Tierversuche verringern, verbessern oder ersetzen: Diesen Grundsätzen des „3R-Prinzips“ ist das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren verpflichtet. Zum Zehnjährigen eine Bilanz – und ein Blick nach vorn.

Am Anfang steht ein Konzept. Es ist Eile geboten. Wir schreiben das Jahr 2014, und die Bundesregierung hat signalisiert, den Schutz von Versuchstieren im Rahmen der Tierwohlinitiative zu stärken. Gefragt sind nun rasche Ideen. „Über ein Wochenende haben wir auf einigen Seiten skizziert, wie wir diesen Gedanken verwirklichen wollten“, sagt der Biologe Dr. Michael Oelgeschläger rückblickend. „Uns schwebte ein ,Kompetenzzentrum‘ mit verschiedenen Schwerpunkten vor. Nachdem das Konzept ausgearbeitet war, ist die Politik uns gefolgt.“

Elf Jahre später: Aus dem erdachten „Kompetenzzentrum“ ist das 2015 gegründete Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren geworden, abgekürzt Bf3R. Das „3R“ steht für das „3R-Prinzip“: Das Ersetzen von Tierversuchen (Replacement), das Verringern der eingesetzten Tiere (Reduction) sowie das Verbessern der Lebensbedingungen von Versuchstieren (Refinement). „Seit 2013 ist das 3R-Prinzip mit dem novellierten Tierschutzgesetz und der Tierschutz-Versuchstierverordnung auch im deutschen Recht verankert“, sagt Oelgeschläger, kommissarischer Leiter des Bf3R (und von Anfang an dabei). 

Infografik 3R Prinzip: Replace, Reduce, Refine
Copyright BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung

NUR DAS UNERLÄSSLICHE MASS 

„Materialisiert“ hat sich das 3R-Prinzip in Berlin-Marienfelde, an den Standorten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung). Das Bf3R ist Teil des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung und gründet im Kern auf der dort beheimateten, bereits 1989 gegründeten Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET). Tierversuche auf das unerlässliche Maß beschränken, Versuchstieren den bestmöglichen Schutz gewähren – so lauten die von der ZEBET „geerbten“ Hauptaufgaben des Bf3R.

BERATUNG UND TRANSPARENZ 

Das Zentrum ist in einer nicht einfachen Rolle: Als Mittler zwischen Tierschutzverbänden, die Tierversuche teils gänzlich ablehnen, sowie Forscherinnen und Forschern, die solche Versuche aus verschiedenen Gründen für notwendig halten. Und auch für Verbraucherinnen und Verbraucher, Wirtschaft und Politik hat das Thema eine besondere Bedeutung. Für das Bf3R heißt das: informieren, beraten und aufklären. Diese Tätigkeiten verkörpern eine der drei Säulen des Bf3R.

Um die Öffentlichkeit zu genehmigten Tierversuchen in Deutschland zu informieren, muss zu jedem Tierversuchsvorhaben eine allgemeinverständliche und frei zugängliche Zusammenfassung publiziert werden. Dies geschieht seit 2014 in der BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Datenbank AnimalTestInfo.

VERBESSERUNGEN UND ALTERNATIVEN

Im Jahr 2019 geht die Datenbank animalstudyregistry.org online. Hier können Forscherinnen und Forscher weltweit ihre Idee für eine tierexperimentelle Studie vorab registrieren. „Das soll die Forschung transparenter, reproduzierbarer und besser machen – und damit überflüssige Tierversuche einsparen“, sagt die Tierärztin und Bf3R-Mitarbeiterin Dr. Bettina Bert.

Darüber hinaus erstellt und veröffentlicht das Bf3R seit 2021 die deutsche Versuchstierstatistik. Seitdem werden jedes Jahr auch die Zahlen jener Versuchstiere veröffentlicht, die zwar für wissenschaftliche Zwecke gezüchtet, aber nicht verwendet wurden („überzählige Versuchstiere“). „Überschuss oder Notwendigkeit?“ Unter diesem Motto steht 2023 ein Diskussionsforum des Bf3R zu den „Überzähligen“. Im gleichen Jahr verzeichnet die Versuchstierstatistik einen Rückgang in dieser Gruppe um 22 Prozent (von 1,77 Millionen auf 1,37 Millionen). „Das Bf3R muss auch brisante Themen zur Sprache bringen“, erläutert Bert. „Und vielleicht haben wir einen Anstoß dafür gegeben, dass die Zahl dieser Tiere stark rückläufig ist.“

Damit das Tierversuchsrecht bundesweit einheitlich ausgelegt und angewendet wird, verfasst der Nationale Ausschuss zum Schutz von Versuchstieren am Bf3R wissenschaftliche Stellungnahmen und Gutachten und berät Tierschutzausschüsse und Genehmigungsbehörden. Unterstützt wird er durch einen externen Expertenpool. 

PREISWÜRDIGE FORSCHUNG

2017 wird die Bf3R-Forschungsförderung ins Leben gerufen. Sie unterstützt wissenschaftliche Vorhaben, die dem 3R-Prinzip entsprechen. Zudem betreut das Zentrum den (seit 2025 deutlich erweiterten) Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, BMLEH (siehe Infokasten zu den Preisträgern).

ABWECHSLUNG FÜR VERSUCHSTIERE 

Die Verbesserung der Haltungsbedingungen („Refinement“) ist die zweite Säule des Bf3R. Welche Möglichkeiten gibt es, Versuchstieren Abwechslung zu verschaffen, ihr Wohlergehen zu verbessern? Das wird zum Beispiel bei Mäusen untersucht, deren (Käfig-) Umwelt vielfältig sein sollte. Refinement ist auch ein realistischer Ansatz: Denn Tierversuche, etwa bei der Entwicklung von Arzneimitteln, sind noch auf längere Sicht nicht zu umgehen. 

Eine breit angelegte Strategie verfolgt das Bf3R bei seiner dritten Säule, der Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen („Replacement“). 

Von Versuchen an Zellkulturen und mikroskopisch kleinen organähnlichen „Organoiden“ bis hin zur Forschung an Fadenwürmern, Fischen und Garnelen: Man geht viele Wege, auch wenn mancher nur über Umwege zum Ziel führt. Seit 2024 ermöglicht die Suchmaschine SMAFIRA („SMArt Feature basiertes Interaktives RAnking“) es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, geeignete Alternativmethoden zu einem bestimmten Tierversuch in der wissenschaftlichen Literatur zu finden. 

Eine wesentliche Herausforderung ist es, Alternativmethoden als international anerkanntes Prüfverfahren zu etablieren – als Prüfrichtlinie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dazu müssen die Zuverlässigkeit und Anwendbarkeit der Methode in einem Prozess, der als Validierung bezeichnet wird, nachgewiesen werden. Erst „validiert“ kann eine neue Methode tatsächlich einen Tierversuch ersetzen und damit „Standard“ werden. Die OECD-Prüfrichtlinie ist dann der Ritterschlag für eine Methode.

Zellen unterm Mikroskop

Von Versuchen an Zellkulturen bis hin zur Forschung an Fadenwürmern - das Bf3R verfolgt eine breit angelegte Strategie bei der Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen.

Copyright Chris Höfer/BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung

ALTERNATIVMETHODEN: DIE QUAL DER WAHL

„Es gibt bereits viele Alternativmethoden“, sagt Oelgeschläger. „Aber das größte Problem besteht darin, eine zu finden, die zu validieren sich lohnt.“ Der Wissenschaftler koordiniert im Auftrag der OECD die Einführung neuer Prüfmethoden in Deutschland. Ein pragmatisch an konkreten Zielen ausgerichtetes nationales Validierungszentrum könne die Prozesse beschleunigen. „Ein solches Zentrum würde in Absprache mit anderen europäischen Einrichtungen die Entwicklung eines Verfahrens steuern“, erläutert Oelgeschläger. „Mit vergleichsweise wenig Geld könnten wir so viel in Gang bringen.“

Für Oelgeschläger ist die 2022 begonnene EU-weite „Partnerschaft für die Bewertung der von Chemikalien ausgehenden Risiken“, abgekürzt „PARC“, ein weiteres bedeutsames Vorhaben. Schließlich ist die Förderung neuer, tierversuchsfreier Methoden zur Chemikalientestung ein „PARC“-Schwerpunkt, an dem das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung beteiligt ist. „Gemeinsam entwickeln wir neue Strategien, um genau die Daten zu erzeugen, die wir wirklich benötigen“, sagt Oelgeschläger.

Es sieht ganz so aus, als ob das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren noch für mindestens zehn weitere Jahre viel zu tun haben wird.

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