
„Sie sind unter anderem fett- und wasserabweisend, sehr stabil und halten oft auch hohe Temperaturen und hohen Druck aus“, erklärt Dr. Claudia Lorenz. Sie beschäftigt sich am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) mit Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Neben den genannten Produkten finden sich PFAS nahezu überall – beispielsweise in Industrieanlagen, Automotoren oder Kaffeemaschinen sowie in medizinischen Produkten wie Herzschrittmachern oder Blutbeuteln.
EXTREM ABWEISEND, ENORM STABIL
Dass PFAS so langlebig und stabil sind, macht sie auch zu einem Problem: Gelangen sie in die Umwelt, lösen sich PFAS auch dort praktisch nicht mehr auf. Das hat ihnen den Namen „Ewigkeitschemikalien“ eingebracht. Die Stoffe zersetzen sich deutlich langsamer als jede andere künstlich hergestellte Chemikalie – und verteilen sich weltweit über Luft- und Wasserströme, gelangen in Grundwasser und Böden sowie in Pflanzen und Tiere. Selbst in der Antarktis wurden PFAS nachgewiesen.
VERBOT ÜBERALL, WO ES ALTERNATIVEN GIBT
Um die Anreicherung in der Umwelt zu verringern, planen mehrere EUStaaten, auch Deutschland, eine weitreichende Beschränkung von PFAS. Das Umweltbundesamt und das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung arbeiten dafür mit Partnerbehörden anderer EU-Staaten an einem Dossier, das Argumente und Rahmenbedingungen vorschlägt. Einzelne PFAS sind bereits jetzt stark reguliert oder es wurden Verbote beschlossen, die in den kommenden Jahren in Kraft treten. „Zukünftig könnte die Produktion und der Einsatz von PFAS grundsätzlich verboten werden“, erklärt Lorenz. „Ausnahmen könnte es dann nur für Bereiche geben, in denen es bisher keine brauchbaren Alternativen gibt, beispielsweise bei bestimmten Medizinprodukten oder in Industrieanlagen, in denen hohe Temperaturen und Drücke herrschen.“
Verbraucherinnen und Verbraucher werden ein Verbot möglicherweise auch beim Einkauf von Küchenzubehör merken. Schließlich basieren die klassischen Antihaftbeschichtungen, etwa in Pfannen, meist auf Polytetrafluorethylen (PTFE). Der Stoff gehört ebenfalls zur Gruppe der PFAS und ist besser bekannt unter dem Markennamen „Teflon“.
GESUNDHEITSSCHÄDEN DURCH BESCHICHTUNG NICHT ZU ERWARTEN
Antihaftbeschichtungen von Küchenutensilien und damit verbundene Gesundheitsrisiken sind in den Medien immer wieder Thema. Allerdings: Problematisch wird es nur, wenn das beschichtete Geschirr auf 360 °Ckurz fürGrad Celsius und mehr überhitzt wird. Dann können gesundheitsschädliche Dämpfe freigesetzt werden. „Deshalb sollte so eine Bratpfanne nicht leer auf der heißen Herdplatte stehen“, rät Lorenz. „Solange in der Pfanne oder im Topf Wasser ist oder ein wässriges Lebensmittel, erreicht die Temperatur nie viel mehr als den Siedepunkt, also nicht deutlich mehr als 100 °Ckurz fürGrad Celsius. Wird mit Öl gebraten, beginnt dieses zu rauchen, bevor die kritische Temperatur erreicht ist.“
Selbst wenn sich bei unvorsichtigem Kratzen in der Pfanne kleinste Krümel aus der Beschichtung lösen sollten und im Essen landen, sind nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. „Wie alle PFAS ist auch PTFE sehr, sehr reaktionsträge. Das macht es ja so praktisch: In der Pfanne bleibt nichts kleben – und im Körper passiert auch nichts“, erklärt Lorenz. „Das geht oben rein und kommt unten wieder raus.“
PFAS-VERBOT VOR ALLEM FÜR DIE UMWELT
Abseits der Küche haben einige andere PFAS im menschlichen Körper jedoch lange Halbwertszeiten und können das Immunsystem, den Fettstoffwechsel und die Leber beeinträchtigen. Der Mensch nimmt diese Substanzen vor allem über Trinkwasser und Lebensmittel wie Fisch und Meeresfrüchte auf. „Deshalb ist die Herstellung und Verwendung einiger PFAS in der EU bereits weitgehend verboten“, sagt Lorenz. Und in Studien ist zu sehen, dass entsprechende PFAS-Gehalte im menschlichen Blut seit Mitte der 90er-Jahre deutlich zurückgehen. „Bei dem jetzt geplanten grundsätzlichen Verbot geht es vor allem um die Anreicherung in der Umwelt, die ja Grundlage für die Kontamination von Trinkwasser und Nahrungsmitteln ist.“ Eine Entscheidung auf EU-Ebene soll voraussichtlich im Jahr 2027 fallen.
ALTERNATIV BRATEN
Ohne PTFE-Beschichtung zu braten, ist auch künftig möglich, etwa mit Keramik- oder Emaille-beschichteten Pfannen sowie solchen aus Edelstahl oder Gusseisen. Allerdings ist die Antihaftwirkung geringer als bei PTFE-beschichtetem Geschirr. Bisher gibt es noch keine Alternative, die die Gesamtheit der PTFE-Eigenschaften gleichwertig besitzt. Und trotzdem werden auch künftig weiterhin leckere Gerichte entstehen können.



