
IMAGE PFUI, WIRKUNG HUI
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine widersprüchliche Wahrnehmung von Chemikalien, die im Alltag Verwendung finden. Es wurde festgestellt, dass über die Hälfte der Befragten Chemikalien als künstlich (54 %) und nicht angenehm (51 %) empfinden. Fast die Hälfte der Befragten denkt bei Chemikalien an potenzielle Schäden für die Gesundheit (42 %) und die Umwelt (44 %). Doch trotz dieser Bedenken befürwortet fast die gleiche Anzahl Personen die Zweckdienlichkeit von Chemikalien, indem sie sie als nützlich (49 %) und wirksam (49 %) empfinden.
Werden künstliche oder natürliche Inhaltsstoffe von Chemikalien separat betrachtet, fächert sich dieses zwiespältige Bild weiter auf: Produkte mit künstlichen Inhaltsstoffen haben bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ein deutlich schlechteres Image als solche mit natürlichen. Rund die Hälfte der Befragten findet künstliche Inhaltsstoffe nicht angenehm (42 %) und vermutet, dass sie auch der Gesundheit (48 %) und der Umwelt (55 %) eher schaden – auch wenn sie künstliche Inhaltsstoffe für wirksam (52 %) und nützlich (44 %) halten. Doch: Auch natürliche Inhaltsstoffe findet jede zweite befragte Person nützlich (54 %) und wirksam (48 %). Dafür glaubt nur etwa jede fünfte befragte Person, dass natürliche Inhaltsstoffe gesundheits- (16 %) und umweltschädlich (17 %) sind. Mehr als ein Viertel hält sie für angenehm (28 %).
HÄUFIGE NUTZUNG – WENIGER BEDENKEN
Bedenken gegenüber chemischen Produkten scheinen umso geringer, je häufiger bestimmte Artikel im Alltag verwendet werden (siehe Grafik). So äußern die Befragten Bedenken vor allem bei der Verwendung von Baumarktprodukten. Bei Reinigungsmitteln bewegen sich Bedenken auf einem mittleren Niveau, ebenso bei Spielzeug und Kinderprodukten. Insgesamt weniger Bedenken haben die Befragten bei den häufig verwendeten Körperpflegeund Kosmetikprodukten.
ETIKETT IM BLICK
Die wichtigste Informationsquelle zu möglichen Produktrisiken ist die Verpackung. Allerdings hält eine Mehrheit Hinweise und Informationen auf Verpackungen für eher nicht gut lesbar und eher nicht ausführlich genug. Gängige Gefahrensymbole wie eine offene Flamme („leicht- oder hochentzündlich“) oder eine aus einem Reagenzglas auf eine Hand tropfende Flüssigkeit („ätzend“) sind der Mehrheit der Befragten bekannt. Mehr als zwei Drittel geben an, auf die Gefahren- und Sicherheitshinweise auf Verpackungen zu achten. Bis zu Dreiviertel der Befragten hält sich demnach auch an die Hinweise.
UNTERNEHMEN IN DER VERANTWORTUNG
Bei der Frage nach der Sicherheit chemischer Produkte sehen fast alle Teilnehmenden die herstellenden Unternehmen in der Pflicht, mehrheitlich auch den Staat und den Handel. Die primäre Verantwortung der Unternehmen wurde in der REACH-Verordnung so vorgesehen – doch von dieser seit 2007 existierenden EU-Verordnung haben 86 Prozent der Befragten noch nicht gehört. Auch bei einer ähnlichen Befragung des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung im Jahr 2008, also kurz nach der Einführung, war REACH weitgehend unbekannt.
Je öfter in Benutzung, desto weniger bedenklich
Wahrgenommene Bedenklichkeit und Nutzungshäufigkeit ausgewählter Produkte

Iiiih und Grusel also vor chemischen Produkten im Alltag? – Dieses Gefühl scheint mit Blick auf die Daten durchaus verbreitet zu sein. Dabei ist Chemie allgegenwärtig und nicht alles Natürliche ist grundsätzlich harmlos, ebenso wie nicht alles Künstliche grundsätzlich gefährlich sein muss. Daher hat die EU in den Mitgliedsstaaten Institutionen wie das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung dazu berufen, gesundheitliche Risiken chemischer Stoffe, mit denen der Mensch im Alltag in Kontakt kommt, zu bewerten und darüber aufzuklären.



